06 Mrz 2018

Chlorgassauströmung

Allgemein
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Datum: 6. März 2018 um 9:26
Alarmierungsart: Gefahrgutzug Süd
Dauer: 7 Stunden 4 Minuten
Einsatzart: Gefahrgut 
Einsatzort: Kraichgaustraße/Bad Schönborn
Mannschaftsstärke: 4
Fahrzeuge: 1-19-2 


Einsatzbericht:

Als Einheit des Gefahrgutzuges des Landkreises Karlsruhe Süd wurde die Feuerwehr Malsch nach Bad Schönborn Mingolsheim alarmiert.

Eine kleine Unachtsamkeit führte am Dienstagmorgen gegen 09.30 Uhr zu einem Chlorgasaustritt im Schwimmbad der Sankt Rochus Klinik in Bad Schönborn-Mingolsheim, welcher etwa 40 Verletzte und einen stundenlangen Großeinsatz der Feuerwehr nach sich zog.

Chlorgas-Einsatz in Bad Schönborn

Mit dem Einsatzstichwort „Chlorgasausströmung“ wurde die Freiwilligen Feuerwehr Bad Schönborn, die Führungsunterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Östringen, sowie die Gefahrgutzüge Karlsruhe Land Nord und Land Süd, in die Sankt Rochus Klinik in der Kraichgaustraße in Bad Schönborn-Mingolsheim alarmiert.

Im Bereich des dortigen Schwimmbades vermischten Arbeiter, vermutlich aufgrund einer Unachtsamkeit, die beiden Stoffe Schwefelsäure und Natriumhypochlorit (auch bekannt als Chlorbleichlauge) miteinander. Bei der Verbindung dieser Stoffe kam es zu einer chemischen Reaktion und es entstand Chlorgas, welches freigesetzt wurde. Als die Arbeiter ihren Fehler bemerkten, verließen sie umgehend das Gebäude und alarmierten die Feuerwehr.

Die ersteintreffenden Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Schönborn, begannen nach der Erkundung sofort mit der Evakuierung und großräumigen Absperrung des betroffenen Klinikbereiches. Bereits bei der Erkundung war ein starker, beißender Chlorgasgeruch wahrzunehmen. Des Weiteren klagten zahlreiche Personen, welche sich zu diesem Zeitpunkt im Schwimmbad und den Nebenräumen befanden, über Atemwegsreizungen.

Die eintreffenden Kräfte des Gefahrgutzuges Karlsruhe Land Nord, bestehend aus Komponenten der Feuerwehren Karlsdorf-Neuthard, Kraichtal-Menzingen und Münzesheim und Bretten, sowie dem Gefahrgutzug Karlsruhe Land Süd, bestehend aus Komponenten der Feuerwehren Ettlingen, Malsch und Rheinstetten, richteten einen Dekontaminationsplatz ein. Um die austretenden Dämpfe niederzuschlagen, wurde vor dem Schwimmbad ein Hydroschild in Stellung gebracht. Des Weiteren wurden die Türen im Zwischengebäude geschlossen und die Lüftung deaktiviert. Dadurch könnte verhindert werden, dass giftige Dämpfe in das dahinter anschließende Klinikgebäude gelangten und dieses so hätte evakuiert werden müssen.

Zeitgleich richtete der Rettungsdienst einen Patientensammelplatz im Bereich der Cafeteria im Klinikgebäude ein. Dort wurden insgesamt etwa 40 Betroffene behandelt. Hiervon wurden 39 Personen leicht und 1 Person mittelschwer verletzt. Allesamt klagten über Atembeschwerden und Atemwegsreizungen. Glücklicherweise musste jedoch keiner rettungsdienstlich in eine Spezialklinik transportiert werden.

Die Spezialkräfte des Gefahrgutzuges gingen mit Trupps mit Chemikalienschutzanzügen in das Gebäude vor um Messungen durchzuführen. Hierbei wurde eine erhöhte Konzentration von Chlorgas gemessen. Um ein weiteres Austreten zu verhindern, musste der Behälter mit einem dafür geeigneten Stoff neutralisiert werden. Im Anschluss an die Neutralisierung waren dann keine erhöhten Messwerte mehr festzustellen. Jedoch hatten sich die Dämpfe im Schwimmbad und dem Zwischengebäude und auch im Keller bereits verteilt. Um diese endgültig aus dem Gebäude zu bekommen, musste das Gebäude belüftet werden. Hierzu wurde der Großlüfter der Werkfeuerwehr KKP alarmiert. Der Einsatz dauerte bis in die Abendstunden an.

Die Feuerwehr war mit etwa 90 Einsatzkräften aus den Wehren Bad Schönborn und Östringen, sowie den beiden Gefahrgutzügen Karlsruhe Land Nord und Land Süd, unter der Leitung des stellvertretenden Kommandanten Thorsten Albrecht im Einsatz. Der Rettungsdienst war mit 4 Rettungswagen, 3 Notärzten und der Schnelleinsatzgruppe Nord unter der Leitung des Kreisbereitschaftsleiters Alexander Schmidt im Einsatz. Auch der leitende Notarzt Dr. Richard Spörri und der stellvertretende Kreisbrandmeister der Feuerwehr Ullrich Koukola waren vor Ort.

Bericht und Bild, Pressesprecher Kreisfeuerwehrverband Lkr. Karlsruhe

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